Leben und Leiden eines McMalochers
bericht | prols 7/2002
[Bericht über die Arbeit bei McDonalds irgendwo in Deutschland]
Einleitung
Der Austausch von Informationen über unsere Situation
auf Arbeit ist wichtig, um zusammen kämpfen zu können.
Nach dem Teil "Was ist McDonalds" kommt ein Bericht
über meine alltäglichen Arbeitserfahrungen bei
McDonalds. Zuerst eine Beschreibung der Arbeit und der
Ausbeutungsmethoden, dann will ich euch meine
ArbeitskollegInnen vorstellen und erzählen, wie sie
mit der Arbeit fertig werden, im Anschluss eine
Schilderungen der momentanen Spannungsfelder und als
Nachtisch ein paar appetitliche Geschichten über
einige Produkte...
Was ist McDonalds?
Einige Leute benutzen McDonalds als ein Symbol für den
"niederträchtigen und muli-nationalen Charakter des
US-Imperialismus". Mag sich das Gesicht des
Unternehmens auch von anderen unterscheiden, so bleibt
die Essenz doch gleich: Lohnarbeit heißt Ausbeutung,
sei es bei McDonalds oder in der Ökobäckerei um die
Ecke. Manche werden sagen, dass Arbeiten für McDonalds
besonders mies sei, weil sie einen multinationalen
Konzern unterstützt, aber heutzutage sind fast alle
Unternehmen durch die Arbeitsteilung, den Handel oder
Verkauf in die Weltwirtschaft eingebunden. Entgegen
dieser Vorstellung des "besonders üblen Unternehmens"
kann die Arbeit bei einem Laden wie McDonalds auf zwei
Weisen besondere Möglichkeiten für den weltweiten
ArbeiterInnenkampf liefern:
1. In der Filiale in der ich arbeite sind fast alle
ArbeiterInnen MigrantInnen, die in mehr oder weniger
voneinander getrennten Communities leben und die noch
Kontakte in ihre Herkunftsländer pflegen. Bei
McDonalds treffen sie aufeinander, teilen Erfahrungen
und Geschichten über das Leben in Deutschland, über
das Leben "zu Hause", über die Gründe, warum sie
herkamen. Dieses Multi-Kulti-Image, mit dem sich
McDonalds in der Werbung gern präsentiert, entspricht
auf perfider Art und Weise der Wahrheit:
McDonalds ist "multi kulti" aufgrund der
eingeschränkten
Möglichkeiten von MigrantInnen, woanders einen Job zu
bekommen. Das Unternehmen ist in zweierlei Hinsicht
multi-national: es lässt sich überall auf dem Globus
nieder und an Ort und Stelle bringt es Leute zusammen,
die selbst rund um den Erdball wandern mussten. Und
klar, fast vergessen - natürlich sind auch die
Fresskampagnen international: Asia-Week, Mexicano
Burger...
2. Bei einem internationalen Unternehmen mit den
selben Arbeitsbedingungen, Arbeitsprozessen etc. -
besteht auch eine großartige Möglichkeit für eine
internationale Zusammenarbeit der ArbeiterInnen, für
Kämpfe und Verbindungen. Dafür ist die
McDonaldsWorkersResistance-Website ein fantastisches
Beispiel, mit Briefen, Geschichten, Berichten etc. aus
der ganzen Welt [www.mwr.org.uk]. Oder, ein anderes
Beispiel: In "meinem" Laden haben einige vom Pariser
McDonalds-Streik gehört. Sie können sich damit
identifizieren und sehen, dass, obwohl es bei uns
unmöglich scheint zu kämpfen, andere es getan und
gewonnen haben. Es ist um so vieles einfacher zu
erkennen, was ich mit einem chinesischen
McDonalds-Arbeiter gemein habe, als mit jemand, der in
einem familienbetriebenen Restaurant in Peking
arbeitet. Tatsächlich werden wir alle drei auf eine
ähnliche Art ausgebeutet, sind auf ähnliche Weise
abhängig vom Lohn - aber es ist soviel einfacher, sich
Kommunikation und gemeinsamen Kampf mit dem Beijing
McDonalds-Arbeiter vorzustellen. Da wäre die
Verbindung wirklich klar und wir hätten einen
gemeinsamen Ausgangspunkt zu kämpfen.. Am 16.Oktober
ist ein Anti-Mcdonalds-Tag (ursprünglich ins Leben
gerufen von Anti-McDonalds-Lobbies) und
internationale ArbeiterInnenaktionen sind geplant.
Würde SIE das nicht in verdammte Panik versetzen?
Ein McWorker sein...
Alles fängt mit dem "Interview" an. Dieses besteht aus
drei harten Fragen: "Wie heißt du?" "Aus welchem Land
kommst du?" und "Hast du eine Arbeitserlaubnis?" Ich
vermute, dass meine Antworten O.K. gewesen sind, denn
ich bekam den Job. Die Einführung in den Job sah so
aus, dass mir erst mal meine Uniform ausgehändigt und
ich dann direkt an den McFryer gestellt wurde.
Spezialisierung und Werkzeuge
Das erste, was dir auffällt, ist die absolute
Spezialisierung des Jobs - die Geräte, der
Arbeitsprozess und das eigentliche Essen. Jeder
Bestandteil des Produkts hat seine eigene Maschine. Es
gibt einen Toastergrill für jede Art von Brötchen und
einen Grill für jede Art von Burger. Das hat nichts
mit dem Essen an sich zu tun, die Temperatur und Größe
der Toaster sind ziemlich identisch, sondern es geht
darum, einen fließenden Arbeitsprozess sicherzustellen
- in dieser Hinsicht ähnelt es mehr einer Fabrik als
einer Küche.
All diese Maschinen piepen, wenn sie fertig sind, und
die Burgergrills öffnen ihren Deckel automatisch. Dir
wird auch gesagt, dass du Dinge in einer bestimmten
Reihenfolge tun sollst, jeder Schritt des
Arbeitsprozesses ist also klar definiert.. Da sich
jeder McDonaldsladen exakt gleicht, wird das Tempo von
internationalen Standards bestimmt, was es dir und den
anderen Arbeitern erschwert, ein langsameres Tempo
klarzumachen.
In mancherlei Hinsicht ist die Maschinerie hoch
entwickelt, dir wird klar, dass sie durch
trial-and-error genau richtig für diesen speziellen
Job gemacht wurde. Für jede Aufgabe sind Arbeitstempo
und Reduzierung unnötiger Bewegungen auf die Spitze
getrieben, z.B. beim BigMac-Brötchen-Toaster. Die
Standardisierung macht Dinge auch ziemlich einfach,
z.B. die selben Tabletts werden in der ganzen Küche
benutzt und überall kannst du sie in diese kleinen
Schlitze stecken. Normale multifunktionale
Küchengeräte kannst du hier nicht finden.
Die
Uniformen haben keine Taschen - einmal um zu
verhindern, dass wir klauen, aber es zeigt auch, wie
genau jeder Arbeitsschritt bestimmt ist - es ist nicht
nötig irgendwas zu tragen, es ist alles genau da, wo
du es brauchst. Auch das Produkt ist so vorgegeben,
dass du niemals etwas anderes machen musst. Der
Arbeitsbereich ist für maximale Effektivität und
minimale Bewegung des Arbeiters angelegt - z.B. die
Brötchen, Toaster und Tabletts sind alle übereinander
gestellt. Wenn du vergisst, wie viele Gurken genau
auf einen McRib kommen, gibt es überall Schilder mit
Worten und Bildern, auf denen dir das gesagt wird.
Mein McJob
Ich arbeite in der Küche - mein Arbeitsbereich ist
einen Meter breit und vier Meter lang (Friteusen auf
der einen Seite und 300 Grad heiße offene Grills auf
der anderen), aber ich arbeite meistens an einem Ende,
in einem ein Meter mal zwei Meter großen Bereich. Das
ist der Hamburger-, Cheesburger- und BigMac-Bereich.
In stressigen Zeiten sind zwei oder drei von uns in
diesem zwei Quadratmeter großen Bereich. Die Grills
haben große Deckel, die sich in einem 45 Grad Winkel
öffnen. Also jedes Mal wenn du Burger auf den Grill
legst, oder sie rausnimmst, steckst du deine Hände in
den Mund dieses Hitzemonsters. Ein gefrorener Burger,
der zuhause 15 Minuten gebraten werden müsste, braucht
hier 45 Sekunden.
In einem Arbeitsschritt von ca. anderthalb bis zwei
Minuten können zwölf Cheeseburger gemacht werden:
1. Lege auf dem Tablett Cheeseburgerbrötchen aus und
Brötchenböden in spezielle
Cheeseburgerbrötchenbödentoaster.
2. Lege Burger auf den Grill
3. Lege Brötchendeckel in
Cheesburgerbrötchendeckeltoaster
4. Nimm die Brötchen heraus und mit BEIDEN Händen:
Einen Spritzer
Ketchup und
Senf von dem speziellen McDispencer, Zwiebeln (60g),
Gurke (eine Scheibe), Käse (eine Scheibe)
5. Nimm das ganze Tablett und stecke es in den Schlitz
vor dem Grill
- währenddessen der Grill sich automatisch öffnet.
6. Steck deine Hände in den Grill um zu salzen und
dann nimm die Burger raus, zwei auf einmal, und leg
sie auf die Brötchenböden. In diesem Moment piept der
Deckeltoaster und du lässt die zwölf Deckel in einer
schnellen Bewegung auf die zwölf Burger gleiten. Dann
gibst du das ganze Tablett dem "Controller" zum
Einwickeln.
Jeder, der dort arbeitet, hat Verbrennungen und
Brandnarben von den Fingern über beide Unterarme. Je
länger man da arbeitet, desto tiefer und bleibender
die Narben - aber der Manager versichert mir, seine
cremig-weißen und makellosen Arme zeigend, dass ich
mich nicht beunruhigen muss: "Sie verschwinden nach
ner Weile."
Die Teilung der Arbeit
Wenn es nötig ist, wird die Arbeit immer weiter
geteilt. Zum Beispiel kann ich den Hamburger-,
Cheeseburger-, BigMac-Teil alleine machen. Wenn zwei
Leute bei den Cheeseburgern arbeiten, dann macht einer
die Brötchen und das Zubereiten der Brötchen, während
der andere die Burger auf den Grill legt und sie
wieder raus nimmt. Wenn drei Leute da sind, dann gibt
es eine Brötchenperson, eine Burgerperson und eine
Belagsperson. In geschäftigen Zeiten wird also geteilt
und geteilt, bis es sein Gleichgewicht gefunden hat.
In einigen Bereichen gibt es Hinweise, wie die Teilung
noch weiter geteilt werden kann, z.B. gibt es einen
Aushang, wo die Aufgaben und Standorte für jede Person
definiert werden, unterschieden nach Anzahl der
ArbeiterInnen für einen Arbeitszyklus: von einer bis
fünf Personen.
Innerhalb des Küchenteams entscheiden wir
untereinander, wer welche Aufgabe macht, aber der Boss
sagt, in welchem Gesamtbereich du arbeitest.
Kooperation
Da jeder Schritt definiert und jedes Produkt und seine
eigenen Geräte hat, kannst du sofort sehen, was der
nächste Schritt im Arbeitsprozess ist. Wenn du z.B.
zwölf Brötchen in dem Cheeseburgertoaster siehst und
es piepst, weißt du, dass der einzig mögliche nächste
Schritt der Ketchup ist. Wenn also dein Kollege grade
die Burger auf den Grill legt, kannst du dich sofort
in den Prozess einschalten, ohne seinen oder ihren
Arbeitsrhythmus zu stören. Auf diese Weise kannst du,
falls nötig, die Arbeitsaufgabe von sonst wem
übernehmen und die Teilung der Arbeit weiter teilen.
Das kann eine kurze Minute dauern, oder weniger, und
dann werden die zwei Arbeiter wieder zu einem
reduziert. Wenn du plötzlich mal nichts zu tun hast,
kannst du dich umgehend wieder beschäftigen, ohne
unnötige zeitverschwendende Fragen wie: "Oh, was
machst du da, ist das ein McChicken?" Natürlich ist
das kein verdammter McChicken. Wenn es einer wäre,
dann würden wir beim McChicken-Toaster stehen,
McChicken-Brötchen toasten, ganz in der Nähe von der
McChicken-Friteuse. Die absolute Präzision des
Arbeitsprozesses ermöglicht also reibungslose
Kooperation und vollen Gebrauch jeder Arbeitsminute
eines jeden Arbeiters.
Die subjektive Erfahrung
OK, Leute müssen sich mit ihrer Arbeit identifizieren,
oder wenigstens einen Sinn darin sehen - und das
müssen sie auch bei McDonalds, was manchmal wirklich
verdammt schwierig ist. Das sieht dann so aus:
1. Leute, die sich darum scheren, wie viele
Gurkenscheiben auf jedem Burger liegen, und denen es
gefällt sich gegenseitig zu korrigieren ("Warum drei
Scheiben da, McRib hat nur zwei Scheiben"). Die
unsinnigen Vorschriften für jedes kleine Detail werden
verinnerlicht und die ArbeiterInnen streiten sich
untereinander darüber.
2. Leute finden Spass an der Geschwindigkeit und
Genauigkeit der Arbeit. Zum Beispiel mussten wir
einmal nach einem Stromausfall alle
Maschinen wieder einschalten. Frau
SuperMcWorker ist so schnell zwischen den Maschinen
hin- und hergerannt, dass Herr
Ein-bisschen-langsam-aber-sehr-süss, der dasselbe
versuchte, nicht mal mit dem Mund-offen-stehen-lassen
hinterherkam. Der Konkurrenzgeist arbeitet sehr gut
für McDonalds.
3. Leute haben Spaß an der Teamarbeit. Das Gefühl,
Teil zu sein eines reibungslos arbeitenden
Gruppenorganismus, kann fantastisch sein. Wenn es gut
läuft und du selbst kaum glauben kannst, wie schnell
das Essen zubereitet wird; oder wenn du dich
umschaust, um was zu machen und siehst jemanden, der
es in genau dieser Sekunde tut...
4. Es gibt eine Person, die den "Controller" macht.
Sie steht zwischen den Leuten, die die Kunden
bedienen, und der Küche. Es wird vorausgesetzt, dass
immer ein Vorrat von jedem Speiseprodukt fertig ist.
Die dürfen aber nicht länger als zehn Minuten
aufbewahrt werden. Diese Person guckt also, was da
ist, und brüllt in die Küche, was gebraucht wird (zehn
McRibs, sechs Fishmäc etc.) daraufhin muss der
jeweilige Küchenarbeiter "Danke" sagen ("jup", "geht
kla", "gebongt" würde nicht reichen), um zu zeigen,
dass er es gehört hat, und sich darum kümmern wird.
Dieser Controller ist meist ein erfahrenerer Arbeiter
und kann deshalb das Essen sehr schnell zubereiten.
Wenn das essen "zu langsam" gemacht wird, oder
langsamer als die Controller es können, brüllen sie
manchmal die Küchenarbeiter an. Wenn alles OK läuft,
ignorieren wir einfach den Controllerstress, aber wenn
nicht, dann kann der Stress in die Küche überlaufen
und die Leute nerven sich gegenseitig, weil sie zu
langsam sind. Zur Erinnerung: wir arbeiten in einem
Gang zwischen den Friteusen und den Grills - zu viel
Stress ist wirklich gefährlich. Die kleinen Hitler
LIEBEN den Controller Job. Sie sind mit Kontrolle des
Arbeitstempo beauftragt... und können dich
rumkommandieren und runtermachen. Die Arbeit ist viel
besser, wenn nette Leute an der Kontrolle sind. Manche
Leute scheinen sich sogar um das Essen und die Kunden
zu sorgen - soll alles schon vorgekommen sein...
Nach drei Tagen lief mir die Arbeit ziemlich von der
Hand - Grillen und Zubereiten wie ne Furie. Dieser
eine Typ, der da schon lange arbeitet, sah das und
sagte: "Es macht dir Spaß, was?" Er konnte sehen, dass
ich ziemlich drauf abgefahren bin. Ich fühlte mich
ständig wie vorm Startschuss, du reagierst instinktiv
auf irgendwelche Reize, obwohl die Situation
unnatürlich und im Grund genommen scheiße ist.
Manchmal reagierst du automatisch in dieser Art auf
Arbeitsdruck, es macht den Job weniger langweilig.
Ich
bemerkte, dass einige der Arbeiter, die schon lange
Zeit da waren und einfach nicht mehr diesen Kick
kriegen konnten, wirklich depressiv und ausgebrannt
waren. Das Tempo ist hoch und du arbeitest vier
Stunden mit einer fünfminütigen Pause. Das Gefühl
eines automatischen, schnellen und stetigen
Arbeitsrhythmus. Du musst den Rhythmus halten, oder du
kommst nicht nach und musst später doppelt so schnell
arbeiten (d.h. Brandblasengeschwindigkeit). Die Anzahl
der Leuten in jedem Bereich (Küche, Kasse etc.) ist
immer aufs Nötigste beschränkt, wenn du also eher zehn
Minuten als fünf Minuten Pause machst, werden deine
Kollegen schneller arbeiten müssen. Wie auch immer,
wir sagen zueinander: "Nein, ist O.K., nimm zehn
Minuten." Wenn es ein guter Tag ist. Du hast niemals
Zeit, eine ordentliche Tasse Wasser oder Kaffee zu
trinken. Als ich mein Getränk mit runternahm und auf
das Gerät für die Schichtplanerstellung stellte, wurde
mir gesagt, dass das nicht erlaubt sei. Deshalb sollst
du immer einen kleinen Becher (vier Zentimeter hoch)
Wasser in die Pause mitnehmen. Es ist nicht erlaubt,
die großen McCups zu benutzen, auch wenn mir bei
meiner Einführung gesagt wurde, dass die Getränke
umsonst wären. Das ist unerträglich, wenn man bedenkt,
wie heiß es in der Küche ist.
Wer arbeitet da...
In "meinem" Restaurant gibt es ca. fünfzig
ArbeiterInnen, von denen kommen ca fünfzehn aus
Afghanistan, fünf aus Indien. Es gibt Leute aus
Syrien, Iran, Nigeria und aus vielen anderen Ländern.
Erstaunlicherweise wenig türkische und polnische
Leute, vielleicht sind sie auf der hierarchischen
Leiter schon eine Sprosse höher als die Afghanen.
Außer den sieben Bossen habe ich nur einen deutschen
Arbeiter getroffen. Die Sprache ist ein auf Deutsch
basierendes Babylonisch... Viele von den ArbeiterInnen
leben schon lange hier und sprechen immer noch nicht
gut Deutsch. Über 70 Prozent sind Frauen und es gibt
die ganze Alterspalette.
Für viele der Leute war es ne schwere Zeit, einen Job
in Deutschland zu finden. Scheinbar denken sie es sei
besser beim jetzigen Job zu bleiben, als zu versuchen,
was besseres zu finden. Es gibt diejenigen, die "in
der Heimat" in gelernten Berufen gearbeitet haben. Bei
denen sieht mensch manchmal eine Spur von Traurigkeit
darüber, dass sie in diesem Job geendet sind. Das wird
aber nie offen ausgesprochen, weil die Leute damit
klarkommen müssen. Es ist manchmal wirklich ziemlich
schwer zu fragen, wie sie sich bei dem Job fühlen,
wegen dieses Stigmas, dessen sich Familienoberhäuptern
mittleren Alters schämen, die dort seit Jahren
arbeiten. Überraschenderweise scheinen sich die von
mir Gefragten nicht wirklich anderswo nach einem
anderen Job umgesehen zu haben. Da ist das Gefühl,
dass "deutsche" Jobs einfach unerreichbar seien und
sie lang genug gebraucht hätten, um diesen Job zu
finden. Manche denken, dass sie Glück haben, diesen
Job zu haben, und der Gedanke an Arbeitslosigkeit
beunruhigt sie.
Aufgrund dessen fühlte ich, dass Leute es nicht
mochten, wenn ich mich scheinbar nicht um die Regeln
kümmerte. Es schien arrogant von mir, wenn sie diese
dummen Regeln befolgen mussten, seit Jahren keinen
Ärger verursachen und ich handle dann respektlos,
obwohl ich neu bin. Irgendwie scheint es nicht fair zu
sein. Sie scheinen angesichts ihres Schicksals zu
resignieren, sie können also den Job nicht zu sehr
runtermachen. Manche Leute unterstützen mit dem Lohn
ganze Familien. Eine alleinerziehende Frau mit drei
Kindern, ein Mann mit fünf Kindern, dessen Frau in
einem Klamottenvertriebslager arbeitet. Es gibt auch
einige junge Leute aus der zweiten Generation, die an
der Uni sind und Teilzeit arbeiten. Ihr Deutsch ist
gut, aber ich vermute, sie konnten immer noch keinen
"deutschen" Job finden. Sie neigen dazu, in der
Arbeit aufzugehen, schnell zu arbeiten, nebenbei zu
flirten und all das. Da ist eine Frau mit einem
schlimmen Knie, die den ganzen Tag stehen muss, aber
sich weiterhin nicht nach einem anderen Job umsehen
wird, aufgrund von geringer Zuversicht und geringer
Motivation. Sie ist seit 6 Jahren hier und spricht
sehr schlechtes Deutsch. Leute reden wirklich gern
über "die Heimat" und wie schön es da ist.
Was ist aktuell angesagt
1.Momentan ändert sich das Management, weil der alte
Boss die Arbeiter nicht kontrollieren konnte und zu
viele Leute zuviel krank gemacht haben. Da ist der
Superboss von der deutschen Hauptverwaltung gekommen,
um uns alle wieder auf Linie zu bringen. Ich habe
einige (na ja, zwei) Arbeiter getroffen, die wirklich
offen rebellisch und respektlos schienen. Das ist
wirklich erfrischend, bei so vielen Leuten, denen der
Job scheinbar alles wert ist. Die meisten Leute
arbeiten einfach da - weder auf Beförderung aus, noch
auf Ärger machen.
2. Es wird wirklich heiß in der Küche und die Luft ist
schlecht, wegen all dem Grillen, Toasten, Frittieren.
Es gibt eine Klimaanlage, aber die ist niemals an.
Warum? Weil es zu teuer wäre.
3. Mich pisst wirklich an, dass es mir nicht erlaubt
ist, in meiner halben Stunde unbezahlter Mittagspause
mal an die frische Luft zu gehen. Sogar wenn ich meine
Privatklamotten trage. Hmm.
Bezahlung und Bedingungen
Alle zwei Stunden haben wir fünf Minuten Pause, und
eine halbstündige Pause alle vier Stunden. Gemessen
wird die Zeit, wenn du die Küche verlässt, bis du
wieder zurück in der Küche bist. Der Gang, um den
Kaffee zu holen und dann raufzugehen in den Pausenraum
dauert ca. anderthalb Minuten und der Rückweg eine
weitere Minute.
Die Bezahlung ist 6,17 Euro pro Stunde, 7,27 Euro
zwischen 22.00 und 6.00 Uhr. Es ist so seltsam, nach
der Arbeit Lebensmittel einkaufen zu gehen oder einen
Falafel zu essen und so viel für Nahrungsmittel
auszugeben, nachdem man den ganzen Tag diesen Scheiss
gesehen und bearbeitet hat.
25 Tage Urlaub pro Jahr. Nachdem du ein Jahr da
gearbeitet hast, kriegst du zusätzlich Urlaubsgeld,
Weihnachtsgeld und andere kleine Sonderleistungen.
Einen Monat Probezeit, mit einer dreitägigen
Kündigungsfrist, danach eine zweiwöchige
Kündigungsfrist.
McFood?
Die Spiegeleier für die Frühstücksmuffins kommen in
Plastik Verpackungen schon in der Form eines
Spiegeleis! Das Rührei ist eine Flüssigkeit in einer
Folienpackung und die gekochten Eier sind auch
plastikverpackt und schon gepellt. Wenn ich aus
Versehen die Rühreier fünf Minuten hab in der Pfanne
braten lassen, waren sie immer noch nicht angebrannt.
Was ist das für ein verdammtes Zeug? Die Zwiebeln
sind undefinierbares Weißes in einer vakuum-verpackten
Tüte, das du zwei Stunden in Wasser einweichst, dann
ist es "Zwiebeln". Und auch das Spülmittel heißt
McLiquid, und dann hast du McDesinfectant etc. etc. ...

